Forschungsaufenthalte

US-amerikanische Law Schools üben für Forschende eine große Faszination aus. Viele Universitäten in den USA haben es geschafft, sich intellektuell und institutionell zu den herausragendsten Forschungseinrichtungen der Welt zu entwickeln. Daher belegen US amerikanische[nbspLlaw Schools häufig nach wie vor einen oberen Platz auf der Wunschliste von jungen als auch etablierten Forschern.

Der oftmals weit scheinende Name etlicher US-Universitäten darf jedoch nicht über einige Eigenheiten der US-amerikanischen Forschungslandschaft hinwegtäuschen, die bei der Planung eines Forschungsaufenthalts beachtet werden sollten. 

Substantiell wird rechtswisschenschaftliche Forschung in den USA überwiegend in einem kontextualen Ansatz betrieben. Sogenannte Law and- Ansätze sind dort nicht, wie überwiegend in Deutschland, Exoten der Rechtswissenschenschaft, sondern die Regel. Law and Economics und Law and Sociology dürften die bedeutsamsten Vertreter dieser Gattung sein. 

Unterschiedliche akademische Karrieren in den USA und Deutschland

Akademische Karrieren unterscheiden sich in den USA auch deutlich von Deutschland. Während in Deutschland eine Habilitation in der Regel den Weg zum Professorenberuf öffnet, ist der Professor in den USA eher ein gedienter Praktiker. Der Grund liegt darin, dass die Law School der USA grundsätzlich eine professionelle Schule ist, die in erster Line der Ausbildung von Rechtsanwälten für die Praxis dient. Formelle Voraussetzungen für den Professor existieren nicht. Der tradierte Weg eines Law Professor geht nach der juristischen Ausbildung (J.D.) als Clerk an ein oberstes Gericht. Ist seine Amtszeit abgelaufen, begibt er sich auf den akademischen Markt, indem er sich bei der American Association of Law Schools (http://www.aals.org/) als Available einschreibt. Findet eine law school Interesse, so wird er zu einer jährlich in Washington stattfindenden Konferenz eingeladen. Auf diesem "Laufsteg" muss er sich dann gegen seine Mitbewerber in Interviews durchsetzen und sich eine Einladung zu einem Probevortrag erarbeiten. Überzeugt er auch bei diesem, so wird er zunächst als Assistant Professor angestellt. Auf dieser Stelle schreibt er dann akademische Aufsätze, die er versucht, in den besten Law-Journals der USA unterzubringen. Schafft er dies, wird ihm in der Regel nach 10 Jahren das so genannte Ten Years verliehen, das ihm dann eine lebenslange Anstellung als Professor bietet.

Mittlerweile ändert sich dieses tradierte System jedoch dahin, dass auch in den USA wieder mehr Wert auf akademische Arbeiten schon vor der Ernennung zum Assistant Professor gelegt wird. Zum einen ist dies der größeren Auswahl auf dem akademischen Markt geschuldet, zum anderen hat man erkannt, dass aus einer rein praktischen Ausbildung nur bedingt Rückschlüsse auf die akademischen Fähigkeiten geschlossen werden können. Daher sind LL.M.- und fellowship-Programme mittlerweile auch für amerikanische Forscher wieder interessanter geworden. Im Zuge des "contextual approach" sind Mitglieder der juristischen Fakultäten mittlerweile oftmals auch Absolventen anderer Fachbereiche, so etwa Ökonomen oder Politikwissenschaftler.

Praktischer Mehrwert eines Forschungsaufenthaltes in den USA

Neben dem fachlichen Mehrwert, den man gerade als deutscher dogmatisch ausgebildeter Jurist bei einem Forschungsaufenthalt in den USA erhält, gibt es aber auch etlichen praktischen Mehrwert. Der Forschungsaufenthalt im Rahmen eines fellowships beispielsweise ist häufig mit der Abfassung einer LL.M.-Thesis verbunden. So kann man z.B. seinen LL.M.-Titelerwerb in den USA finanzieren. Fortgeschrittene Nachwuchsforscher, die eine deutsche akademische Karriere anstreben, können die Visiting Professor- oder fellowship Programme auch zur Finanzierung oder Fertigstellung ihrer Habilitation verwenden. Die Einbindung in den Lehrbetrieb der Universität variiert von Programm zu Programm. Etablierten Professoren bieten die Forschungsprogramme die Möglichkeit, das Forschungsfreisemester in den USA zu verbringen und damit auch die Chancen auf einen Ruf zu erhöhen.

Die Auswahl der Schule und des Programms

Bei der Auswahl der Schule sollte man vor allem zwei Dinge beachten: Die Leistungen des Forschungsprogramms für das man sich bewirbt und die akademische Ausrichtung der Universität. US-amerikanische Universitäten habe eine deutlich stärkere Profilbildung erfahren als die deutschen. Neben den berühmten rankings, die vor allem für diejenigen eine Rolle spielen, die eine akademische Karriere in den USA anstreben, spielt vor allem das Profil der Universität eine Rolle. Jede gute Universität steht für eine bestimmte Art und Weise, Recht zu verstehen. So hat Harvard beispielsweise ein bird eyes view, bei dem Rechtswissenschaft weniger als Analyse von Urteilen verstanden wird, denn als rein kontextual-soziologische Analyse. In Yale herrscht das Gegenteil vor: Recht sind Urteile, die Analyse von Urteilen ist daher der wesentliche Gegenstand der akademischen Welt in YaleChicago ist geprägt von Law and Economics, während das nur wenig entfernte Wisconsin-Madison den Gegenpol mit der deutlichen Prägung von Law and Sociology bildet. Man sollte sich daher vor einem Forschungsaufenthalt überlegen, ob die jeweilige Prägung der Schule zu dem Forschungsvorhaben passt.

Des weiteren sollte man die entsprechenden Programme unter die Lupe nehmen. Sie unterscheiden sich teilweise erheblich in ihrem Umfang. Während einige ein fürstliches Salär in Aussicht stellen, zahlen andere nichts. Auch die Lehrverpflichtungen variieren.

Links zu ausgewählten Fellowships in den USA

Der Bericht wurde von unserem Mitglied Kai Purnhagen verfasst.